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Eine gemeinnützige GmbH zur Realisierung des „Dokumentations- und Lernortes Bückeberg“

Die „Reichserntedankfeste“ (1933-1937) hatten eine herausgehobene Bedeutung im Nationalsozialismus. Sie gehörten zu den Veranstaltungen mit den größten Teilnehmer*innenzahlen und standen in einer Reihe mit den Feiern zum 1. Mai in Berlin und den Reichsparteitagen in Nürnberg. Da bis heute der Ort, an dem diese Feste stattfanden, in keiner Weise kenntlich gemacht ist, soll dort nun auf dem Bückeberg in der Gemeinde Emmerthal, Landkreis Hameln-Pyrmont, ein Dokumentations- und Lernort realisiert werden.

Das erste Erntedankfest 1933 – Reproduktion des Ölgemäldes des Hamelner Malers Rudolf Riege, 1933, Sammlung Gelderblom

Dafür haben der Landkreis Hameln-Pyrmont und der Verein für regionale Kultur- und Zeitgeschichte Hameln e.V. im Dezember 2018 eine gleichnamige gemeinnützige GmbH gegründet. Diese wird die Planungen des Konzeptes vorantreiben, umsetzen und wissenschaftlich begleiten.

Sie fungiert auch als Ansprechpartnerin für alle Fragen zum Projekt oder bei Interesse an Führungen über das Gelände, die auch in der Planungs- und Bauphase weiter möglich sind.

Ziel des Projektes ist es, einen Ort zu schaffen, der die Propagandamechanismen des NS-Regimes in Gestalt des „Reichserntedankfestes“ am Bückeberg aufzeigt. Dessen gigantische räumliche Ausmaße sollen visualisiert sowie die Auseinandersetzung mit der Frage gesucht werden, wie Menschen zu Täter*innen oder Unterstützer*innen dieses Unrechtsregimes werden konnten.

Gerade am Bückeberg können die Instrumente der Propaganda und der Masseninszenierung thematisiert werden, die darauf zielten, über die Medien, aber auch ganz konkret vor Ort die Menschen auf die Person Adolf Hitler und gleichzeitig eine konstruierte „Volksgemeinschaft“ einzuschwören. Es kann – stärker als in Gedenkstätten für Opfer des Nationalsozialismus –  gezeigt werden, wie durch Vereinnahmung bei gleichzeitiger aggressiver Ausgrenzung derjenigen, die nicht dazu gehören sollten, eine Stimmung erzeugt wurde, die bis in den Vernichtungskrieg führte. Dazu gehörten neben „Blut und Boden“-Rhetorik auch aufwendig inszenierte militärische Vorführungen.

Blick auf die Militärübungen 1935
Sammlung Gelderblom, aus Privatbesitz

Die Erfahrungen bei Führungen auf dem Gelände haben gezeigt, dass es wichtig ist, den Bückeberg selbst als Dokumentations- und Lernort zu erschließen, da sich diese und viele weitere Aspekte vor Ort besser aufzeigen lassen. Daher soll dort ein historisch-topografisches Informationssystem entstehen.

Dessen Grundentwurf ist aus einem Wettbewerb von vier renommierten Gestaltungsbüros hervorgegangen und wurde in Folge einer breiten Bürgerbeteiligung und einer intensiven (kommmunal-)politischen Debatte um infrastrukturelle aber auch inhaltliche Elemente erweitert. So sollen u.a. acht über das Gelände verteilte Informationsinseln, ein offenes Gebäude („grünes Klassenzimmer“), Sanitäranlagen und ein „Pfad der Grundrechte“ realisiert werden.